Reservisten unterstützten Großübung Jalluckkrasni des THW

Reservisten unterstützten Großübung Jalluckkrasni des THW

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Ausbildungsunterstützung der Reservistenkameradschaften Luckenwalde und Potsdam für das Technische Hilfswerk.

Langsam bewegt sich der Konvoi auf der schmalen Straße durch den dichten Wald. Links und rechts des Weges warnen leuchtend rote Schilder vor der Minengefahr in Jalluckkrasni – einem krisengeschüttelten Staat in Osteuropa. Nachdem das Team der Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser Ausland (SEEWA) des THW am frühen Morgen gelandet ist, hatte es schon einige Widrigkeiten überstanden: Das elende Warten bei der Einreise am Flughafen, der Checkpoint der Regierungstruppen, die nicht von den Rebellen zu unterscheiden waren und das Verladen der tonnenschweren Ausrüstung auf die angemieteten alten Trucks bei fast 40 Grad im Schatten.

Doch was jetzt kam würde sich wohl nicht so einfach mit ein paar Zigaretten und Schmiergeld lösen lassen. Mit schnell rasselnden Ketten nähert sich von vorne ein Schützenpanzer. Auf dem BMP sind schon aus der Ferne bewaffnete Männer mit ihren Kalaschnikowgewehren zu erkennen. Der Schützenpanzer stoppt nur wenige Meter vor den THW-Fahrzeugen – vorbei wäre er auch nicht gekommen, denn die Straße misst hier vielleicht noch drei Meter Breite. Nur Sekunden später stürmen die ersten Rebellen hinter dem Stahlkoloss hervor und zwingen die Fahrer zum Aussteigen. Von hinten hatte sich derweilen unbemerkt ein schwerer LKW genähert. Auch vom ihm springen etliche Bewaffnete ab. Die THW-Helfer werden durchsucht, befragt, voneinander getrennt, sie müssen zur Überprüfung schwere Kisten von den Trucks wuchten und in der Hitze warten. Denn fast eine Stunde dauert es bis der Kommandeur der Rebellen, nach langer Verhandlung mit dem Team Leader, den Konvoi weiterfahren lässt. Zu dem Zeitpunkt war einigen Übungsteilnehmern die psychische Belastung schon deutlich anzumerken.

Dieser Ablauf wiederholte sich an dem Nachmittag noch einmal, denn das THW beübte in der viertägigen Großübung zwei seiner SEEWA-Teams. Unterstützung in Form von Rollenspielern erhielten sie dabei von 17 Reservisten aus Luckenwalde und Potsdam. Die eigentliche Aufgabe, die Aufbereitung von täglich tausenden Litern Trinkwasser, wurde so immer wieder von verschiedenen Einlagen unterbrochen. Es gab nächtliche Besuche in den Camps, schwere Unfälle, Minenexplosionen und Feuerüberfälle. Aber auch mit der aufdringlichen Bevölkerung und dem Besuch eines Botschafters mussten die Männer und Frauen des THWs umgehen.

„Das war eine Übung auf höchstem Niveau. Mit den begrenzten Mitteln, war das nur durch die vielen ehrenamtlichen Helfer möglich.“

Sven Eichstaedt, THW-Leiter

Den Einsatz in einer Krisenregion übte das THW in dieser Form zum ersten Mal. Insbesondere die Übungstruppe war von der Intensität und Bandbreite der eingespielten Szenarien überrascht. Im Regelfall wird das THW in solchen Bedrohungslagen nicht mehr eingesetzt. Ein erfahrener THW-Helfer sagte aber auch: „beim Einsatz in einer als sicher geltenden Gegend des Nordiraks rückten die Kämpfer des IS unerwartet 30 Km vor.“ Das zeigte ihm wie schnell die Sicherheitslage in Krisengebieten eskalieren kann. Am Ende hat sich der Aufwand gelohnt. Sven Eichstaedt vom THW-Ortsverband Luckenwalde war für die gesamte Übung Jalluckkrasni verantwortlich. Sein erstes Resümee: „Das war eine Übung auf höchstem Niveau. Mit den begrenzten Mitteln, war das nur durch die vielen ehrenamtlichen Helfer möglich.“ Die Zusammenarbeit von Reservisten und THW soll nun weiter ausgebaut werden.

Bericht aus THW-Sicht: SEEWA Nord in JALLUCKKRASNI

Bild oben: Befragung des THW-Team Leaders bei einer Kontrolle
(Foto: THW/Doreen Steffen)
Videos: Videoclips mit Eindrücken der Übung
(Quellen: THW, Ronald Nitschke)

Ronald Nitschke
Ronald Nitschke

Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Potsdam und stellvertretender Landesvorsitzender für Presse und Kommunikation