Hervorgehoben
Potsdam – Die sicherheitspolitische Zeitenwende ist in der Mitte der Gesellschaft und in der Planung der Streitkräfte angekommen. Unter dem Titel „Operationsplan Deutschland – Welche Rolle spielt Brandenburg?“ luden die Landesgruppe Brandenburg im Reservistenverband zusammen mit den Kooperationspartnern aus der Reihe “Politik und Sicherheit” zu einer wegweisenden Informations- und Diskussionsveranstaltung in die Garnisonkirche Potsdam ein.
In Zusammenarbeit mit dem Politischen Bildungsforum Brandenburg der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft stand ein Thema im Zentrum, das für die Reserve des Landes von existenzieller Bedeutung ist: Die Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) und die daraus resultierenden Anforderungen an das Land Brandenburg.
Als Referent skizzierte der Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg, Oberst Nikolas Scholtka, die Eckpunkte des „Operationsplans Deutschland“ (OPLAN DEU) als militärischen Anteil an der Gesamtverteidigung. Er machte deutlich, dass Brandenburg aufgrund seiner geografischen Lage eine Schlüsselrolle einnimmt. Im Falle einer Eskalation an der NATO-Ostflanke wandelt sich das Bundesland zur zentralen logistischen Drehscheibe. Hunderttausende Soldaten und zehntausende Fahrzeuge müssten durch Brandenburg in Richtung Osten verlegt, versorgt und unterstützt werden. Dies erfordere eine enge Verzahnung zwischen militärischen Anforderungen und ziviler Infrastruktur. Der Schutz von Marschwegen, Brücken und Depots rückt damit unmittelbar in den Fokus der regionalen Sicherheitsarchitektur.
Für die zahlreich anwesenden Reservistinnen und Reservisten der Landesgruppe wurde während der Vorträge schnell klar: Ohne die Reserve ist der OPLAN nicht umsetzbar. Ob beim Schutz verteidigungswichtiger Einrichtungen, die nicht immer mit der kritischen Infrastruktur gleichzusetzen ist, der Unterstützung von Truppenbewegungen (Host Nation Support) oder der Aufrechterhaltung der Verbindung zu zivilen Behörden – die Expertise und Einsatzbereitschaft der beorderten und unbeorderten Reservisten ist das Rückgrat der territorialen Verteidigung. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Kreisverbindungskommandos, bei denen einige noch nach engagierten Reservistinnen und Reservisten suchen.
Im Anschluss diskutierten die etwa 90 Anwesenden über „Kriegstüchtigkeit“ und das erforderliche Umdenken in der Gesellschaft. Einig waren sich Experte und Publikum: Verteidigung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.